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La tinta fluye 3

Una de las características para mí fundamental de la poesía respecto a otras disciplinas literarias, es que sus obras cobran un verdadero sentido cuando son leídas en voz alta.

Considero a los poemas como objetos artísticos, cuya materia para su construcción es el lenguaje y el sonido es una propiedad fundamental de este. La estructura fonética, pienso, le confiere a la obra un carácter “escultórico” que concreta su significado. De hecho gran parte de las herramientas tradicionales que se utilizan para obrar los poemas se desarrollaron con el fin de potenciar los aspectos sonoros de los textos, creando unos sofisticados mecanismos que permiten un desarrollo creativo del lenguaje.

Este aspecto material me lleva a ver a la poesía esencialmente a través de la forma y considero que de esta manera, en vez de limitarla como piensan algunos, se posibilita un enriquecimiento conceptual en la creación de los poemas.

Como parte del material de trabajo de este proyecto he querido hacer, con ayuda del grandísimo poeta Juan Carlos Friebe, una recreación sonora de una selección de poemas de Nietzsche.
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Meinem leser

Ein gut gebiss und einen guten magen
Diess wünsch’ ich dir!
Und hast du erst mein buch vertragen,
Verträgst du dich gewiss mit mir!

 

Die feder kritzelt

Die feder kritzelt: hölle das!
Bin ich verdammt zum kritzeln-Müssen?
So greif’ ich kühn zum tintenfass
Und schreib’ mit dicken tintenflüssen.
Wie läuft das hin, so voll, so breit!
Wie glückt mir alles, wie ich’s treibe!
Zwar fehlt der schrift die deutlichkeit
was thut’s? Wer liest denn, was ich schreibe?

 

Meine weisheit that der sonne gleich:
Ich wollte ihnen licht sein,
Aber ich habe sie geblendet;
Die sonne meiner weisheit Stach
Diesen fledermäusen
Die augen aus…

 

Der einsiedler spricht

Gedanken haben? Gut!
So sind sie mein besitz.
Doch sich gedanken machen,
Das verlernt’ ich gern!
Wer sich gedanken macht der ist besessen
Und dienen will ich nimmer und nie.

 

Mein glück macht ihnen wehe:
Diesen neidbolden wird mein glück zum schatten;
Sie frösteln bei sich: blicken grün dazu.

 

An die melancholie (fragment)

Und zitternd stammle ich hier lied auf lied,
Und zucke auf in rhythmischem gestalten:
Die tinte fleusst, die spitze feder sprüht
Nun göttin, göttin lass mich lass mich schalten!

 

Verkennt ihn nicht!
Wohl lacht er
Wie ein blitz:
Aber hinterdrein
Grollt zornig sein langer donner.

 

Narr in verzweiflung

Ach! Was ich schrieb auf tisch und wand
Mit narrenherz und narrenhand,
Das sollte tisch und wand mir zieren?…

Doch ihr sagt: “Narrenhände schmieren,
Und tisch und wand soll man purgieren,
Bis auch die letzte spur verschwand!”

Erlaubt! Ich lege hand mit an,
Ich lernte schwamm und besen führen,
Als kritiker, als Wassermann.

Doch, wenn die arbeit abgethan,
Säh’ gern ich euch, ihr ueberweisen,
Mit weisheit tisch und wand besch…

 

Wo gefahr ist,
Da bin ich dabei,
Da wachse ich aus der erde.

 

Der einsame

Verhasst ist mir das folgen und das führen.
Gehorchen? Nein! und aber nein… regieren!
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand schrecken:
Und nur wer schrecken macht, kann andre führen.
Verhasst ist mir’s schon, selber mich zu führen!
Ich liebe es, gleich wald und meeresthieren,
Mich für ein gutes weilchen zu verlieren,
In holder irrniss grüblerisch zu hocken,
Von ferne her mich endlich heimzulocken,
Mich selber zu mir selber… zu verführen.

 

Pinie und blitz

Hoch wuchs ich über mensch und thier;
Und sprech ich niemand spricht mit mir.
Zu einsam wuchs ich und zu hoch:
Ich warte: worauf wart’ ich doch?
Zu nah ist mir der wolken sitz,
Ich warte auf den ersten blitz.

 

Die bösen liebend

Ihr fürchtet mich?
Ihr fürchter den gespannten bogen?
Wehe, es könnte einer seinen pfeil darauf legen!

Der dichter, der lügen kann
Wissentlich, willentlich
Der kann allein wahrheit reden.

 

Du hältst es nicht mehr aus,
Dein herrisches schicksal?
Liebe es, es bleibt dir keine wahl!

 

Im sommer

Im schweisse unsres angesichts
Soll’n unser brod wir essen?
Im schweisse isst man lieber nichts,
Nach weiser aerzte ermessen.
Der hundsstern winkt: woran gebricht’s?
Was will sein feurig winken?
Im schweisse unsres angesichts
Soll’n unsren wein wir trinken!

 

Wenn den einsamen
Die grosse furcht anfällt,
Wenn er läuft und läuft
Und weiss selber nicht wohin?
Wenn stürme hinter ihm brüllen,
Wenn der blitz gegen ihn zeugt,
Wenn seine höhle mit gespenstern
Ihn fürchten macht.

 

Allen schaffenden geweiht

Welt-unabtrennliche
Lasst uns sein!
Das ewig-männliche
Zeiht uns hinein.

 

Der skeptiker spricht

Halb ist dein leben um,
Der zeiger rückt, die seele schaudert dir!
Lang schweift sie schon herum
Und sucht und fand nicht und sie zaudert hier?
Halb ist dein leben um:
Schmerz war’s und irrthum, stund’ um stumd’ dahier!
Was suchst du noch? Warum?
Diess eben such’ ich grund um grund dafür!

 

Milch fliesst
In ihrer seele; aber wehe!
Ihr geist ist molkicht

 

Dionysos:

Sei klug, Ariadne!…
Du hast Kleine ohren, du hast meine ohren:
Steck ein kluges wort hinein!
Muss man sich nicht erst hassen, wenn man sich lieben soll?…
Ich bin dein labyrinth…

 

Den tapferen, den frohgemuthen,
Den enthaltsamen
Singe ich dies lied.